Auch in der Siedlung Ludwigsfeld stehen 12 Kinder, die in die Verbandsgrundschule nach Karlsfeld gehen, noch ohne nachmittägliche Betreuung da. Hier zeichnet sich allerdings eine Lösung ab: Im Mehrgenerationenhaus, in dem auch das Jump-in untergebracht ist, sind zwei Räume frei, weil nicht mehr so viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland strömen. Die Caritas möchte dort nun eine sogenannte Großtagespflege einrichten, bei der mindestens fünf Plätze zu Beginn des neuen Schuljahrs für ABC-Schützen zur Verfügung stehen sollen. Der hiesige Bezirksausschuss richtete an die Landeshauptstadt die Anträge, a) dafür zu sorgen, dass zu Beginn des neuen Schuljahres gleich zehn Plätze für Schulkinder zur Verfügung stehen und b) dass die Stadt für Ludwigsfelder Kinder der Verbandsgrundschule, die dort weder in den Hort noch eine Nachmittagsbetreuung unterkommen, die Differenz der Hortkosten übernimmt, die zwischen Karlsfelder und städtischen Münchner Horten bestehen.
Aufgrund der Randlage der Siedlung Ludwigsfeld ist das Angebot der Stadt München, dort nicht versorgte Kinder täglich in einen Sammelhort in den Münchner Süden zu fahren, eher theoretischer Natur und für die Eltern inakzeptabel. Die Stadt solle vielmehr dafür sorgen, dass in der Siedlung Betreuungsplätze aufgebaut beziehungsweise in Karlsfeld auf freie Hortkapazitäten zugegriffen werden könne, so der BA.
Sicherstellung des Schulsports in der Grund-/Mittelschule Eduard-Spranger-Str.
Auf der letzten öffentlichen Sitzung des Bezirksausschusses vor der Sommerpause erläuterte BA-Vorsitzender Markus Auerbach den BA-Mitgliedern und den anwesenden Bürgern kurz, wie das Schulreferat sich die zeitliche Abfolge von Abriss und Neubau der Grund-/Mittelschule an der Eduard-Spranger-Schule vorstellt. In den Plänen der aktuellen Machbarkeitsstudie zum abschnittweisen Vorgehen wird die Turnhalle als erstes beseitigt und eine neue Halle nach etwa drei Jahren Bauzeit wieder zur Verfügung stehen. Daher willdas Gremium das Schulreferat darum bitten, dass auch während des sukzessiven Abrisses und Neubaus der Grund-/Mittelschule an der Eduard-Spranger-Str. der Turnunterricht gewährleistet bleibt. Insbesondere soll geprüft werden, ob etwa auf der geteerten Sportfläche in der Grünanlage an der Gundermannstr. – südwestlich des Schulgeländes – ein Provisorium aufgestellt werden kann.
Die Turnhalle wird zum einen ja nicht nur für den Turnunterricht gebraucht, sondern auch für Veranstaltungen und Abschlussprüfungen genutzt. Sportunterricht anderswohin in den Münchner Norden zu verlagern, sei unpraktikabel, weil bei längerer Anreise von den Sportstunden nur noch ein unverhältnismäßig kurzes Fragment übrig bleibe. Als Mittel der Wahl erscheint den BA-Mitgliedern die Errichtung eines Provisoriums in nächster Nähe – nicht zuletzt deshalb, damit auch die örtlichen Sportvereine weiter eine Halle haben.
Grundschule an der Paulckestr. erhält Ganztagesbetrieb
Im Rahmen der sogenannten Interessenbekundungsverfahren für das Angebot der offenen Ganztagesschulen ist auch der Antrag der Grundschule an der Paulckestr. am Hasenbergl ab dem Schuljahr 2016/2017 durch die Schulverwaltung genehmigt worden.
Damit können neben den rund 120 Grund- und Förderschulen, die bereits im Schuljahr 2015/2016 im Rahmen einer Pilotphase begonnen haben, an rund 350 weiteren Schulen offene Ganztagesangebote für SchülerInnen im Grundschulalter eingerichtet werden.
Die Grundschule an der Paulckestr. hat für dieses Angebot einen entsprechenden Bedarf seitens der Familien feststellen können, deshalb, so der örtliche Stimmkreisabgeordnete Joachim Unterländer, ist dies ein guter Weg. Dazu Unterländer: „Es ist sicherlich auch notwendig, dass im Münchner Norden neben den schon vorhandenen Angeboten weitere Plätze für den Ganztagesbetrieb und entsprechende Kooperationsprojekte mit den Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen ausgebaut werden.“
Mittelschule PCB-belastet – und nichts wird getan
Eigentlich ist es unvorstellbar: Seit über zwei Jahrzehnten ist es bekannt und aktenkundig, dass die Eduard-Spranger-Schule am Hasenbergl Süd mit PCB belastet ist. Geschehen ist seitdem: nichts! Noch nicht einmal der in der PCB-Richtlinie von 1994 vorgegebene Vorsorge- und Zielwert, der als „langfristig tolerabel“ gilt, wird erreicht. Das belegen sporadische Messungen zur PCB-Raumluftkonzentration. Laut Referat für Bildung und Sport (RBS) wird sich an dieser Situation auch bis mindestens 2020 nichts ändern. Frühestens dann soll die Schule abgerissen und neu aufgebaut werden. Eltern und Lehrer wollen sich aber nicht länger vertrösten lassen. Sie wünschen endlich Abhilfe, wie sie auf der letzten Sitzung des Bezirksausschusses 24 verkündeten.
In Wikipedia ist zum Thema PCB Folgendes nachzulesen: „Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen, die bis in die 1980er-Jahre vor allem in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren, in Hydraulikanlagen als Hydraulikflüssigkeit sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet wurden. PCB zählen inzwischen zu den zwölf als dreckiges Dutzend bekannten organischen Giftstoffen, welche durch die Stockholmer Konvention vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden.“
Das PCB steckt im Fugendichtungsmaterial
In der Eduard-Spranger-Schule steckt das PCB im Fugendichtungsmaterial, denn die Schule wurde 1966/67 (erweitert bereits 1969/70) nach den Regeln der damaligen Baukunst aus Fertigbetonteilen erbaut, welche mit dem PCB-verseuchten Dichtungsmaterial verfugt wurden. Sporadische Raumluftmessungen ergeben seit Jahren ein relativ konstantes Bild: Die PCB-Konzentration liegt in den gemessenen Klassenzimmern zwischen 1510 und 970 ng pro m3. Und besonders „dicke Luft“ herrscht im Rektorat, wo 2011 eine PCB-Konzentration von 2160 und 2014 ein Wert von 2505 ng pro m3 Raumluft gemessen wurde.
Die PCB-Richtlinie sieht Raumluftkonzentrationen unter 300 ng PCB/m3 Luft als langfristig tolerabel an. Bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3.000 ng PCB/m3 Luft wird empfohlen, „die Quelle der Raumluftverunreinigung aufzuspüren und nach Möglichkeit unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit zu beseitigen oder zumindest eine Verminderung der PCB-Konzentration (z. B. durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume) anzustreben.
Bei mehr als 3.000 ng PCB/m3 Luft sollten, so steht es in der Richtlinie, „unverzüglich Maßnahmen zur Verringerung der Raumluftkonzentration von PCB“ ergriffen werden. Die Sanierungsmaßnahmen müssten geeignet sein, die PCB-Aufnahme wirksam zu vermindern. Der Sanierungsleitwert liegt bei weniger als 300 ng PCB/m3 Luft.
Eine Sanierung ist unmöglich, weil unwirtschaftlich
Da die Eduard-Spranger-Schule seinerzeit sehr weitläufig gebaut wurde, ist aufgrund der Länge der Fugenmasse eine Sanierung nicht möglich. Sagen die Sachverständigen in einer jüngst fertiggestellten Machbarkeitsstudie. Sagte am Dienstag, den 28. Juni zur BA-24-Sitzung auch Thomas Gerbet, beim RBS Teamleiter Zentrales Immobilienmanagement und mit dem Objekt betraut. Bleibt allein ein Neubau. Doch der dauert.
Beschleunigen lässt sich nach Gerbets Auskunft der nicht, da das Vorhaben mit Kindertagesstätte, Grund- und Mittelschule recht komplex sei (wohin mit den Kindern in der Bauphase?) und beim Neubau auch stadtgestalterische Überlegungen anzustellen seien. Vom Planungsvorlauf, den Regularien, dem Genehmigungsprozedere, den Ausschreibungsfristen … gar nicht zu reden. Und natürlich muss auch das liebe Geld (Gerbet veranschlagt 50 Mio. Euro und mehr) im Rahmen der zweiten Schulbauoffensive der Landeshauptstadt da sein. Nach Gerbets Einschätzung kann frühestens 2019 mit dem Bau begonnen werden, in der „Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung für Grundschulen, Mittelschulen und Förderzentren – aktualisierte Datenblätter“ steht gar: „ab 2020“.(Wobei man nach dieser Aufstellung schon ab 2019 mit deutlich steigenden Schülerzahlen wegen des Neubaugebiets Ratoldstr. rechnet!)
Immerhin versicherte Gerbet den BA-Mitgliedern, den anwesenden Lehrerinnen wie dem Elternbeiratsvorsitzenden, dass das Projekt „eine gewisse Priorität“ genieße, auch wenn die Stadt vor der Herkulesaufgabe stehe, ob des Bevölkerungsanstiegs viele alte Schulgebäude sanieren und neue Schulen bauen zu müssen. In der Zwischenzeit könne die Eduard-Spranger-Schule nun mal, wie auch die Experten im Referat für Gesundheit und Umwelt bestätigten, voll umfänglich genutzt werden. Und aus arbeitsrechtlicher Sicht gebe es gegenüber der Lehrerschaft ebenfalls keinen Handlungsbedarf – man habe die Messergebnisse den Lehrern stets erläutert, so Gerbet.
Lehrer und Eltern wollen sich nicht länger vertrösten lassen
Zwei junge Lehrerinnen, die auf der BA-Sitzung anwesend waren, wiesen darauf hin, dass die Kinder in den Räumen ja auch spielten und essen und überhaupt die Schule in einem unfassbaren Zustand sei: In der Turnhalle dürfe man keine Ballsportarten mehr machen, weil die Decke drohe herunterzukommen; Tafeln seien schon von der Wand gefallen und laut Elternbeiratsvorsitzendem stehen Heizungsrohre unter Strom, auf dass vor einigen Wochen ein Kind, das versehentlich eines der Rohre berührt habe, in Ohnmacht gefallen sei.
Vor allem aber ärgert die Lehrerinnen, dass sie Tag um Tag, Jahr um Jahr der PCB-Gefahr ausgesetzt sind, während beispielsweise die Mittelschule Dachau-Süd – ein Bau von 1970 und gleichfalls PCB-belastet – zügig saniert und der Schulbetrieb dazu ab Herbst übergangsweise komplett ausgelagert wird. (Dachaus OB Florian Hartmann meinte, dass man die Werte von bis zu 500 ng „auf Dauer nicht hinnehmen“ wolle. München ist da offensichtlich viel toleranter.)
Nach all den Jahren des Nichtstuns seitens städtischer Stellen ist eine inzwischen informiertere und engagiertere Elternschaft nicht mehr bereit, sich ständig vertrösten zu lassen. Jedenfalls kündigte der Elternbeiratsvorsitzende der Eduard-Spranger-Mittelschule in der BA-Sitzung schon mal an: „Wir Eltern gehen bis Ende Juli den feinen politischen Weg, gemeinsam und konstruktiv. Dann werden wir definitiv andere Mittel einsetzen.“ Welche das sein werden – da wollte er auch auf Nachfrage sich nicht in die Karten sehen lassen. Bei drei älteren Lehrerinnen, die seit über 20 Jahren an der Schule arbeiten, hat ein Bluttest jedenfalls eine PCB-Belastung ergeben.
BA spricht sich für eine Verlagerung der Schule aus
Was also tun auf die Schnelle? Oder doch wie gehabt weiter alles „aussitzen“, bis irgendwann einmal der Neubau in Angriff genommen wird? Container zur Auslagerung der gesamten Schule sind am leergefegten Markt nicht zu bekommen, so Gerbet, man beziehe sie derzeit schon unter anderem aus Slowenien. Und selbst wenn es welche gäbe, auf die Schnelle ließen sich diese nicht aufstellen, so der Behördenvertreter, da sie baugenehmigungspflichtig seien. Den Vorschlag des BA-Vorsitzenden Auerbach, zumindest Teile der Eduard-Spranger-Mittelschule in das erst im Aufbau begriffene Gymnasium des Münchner Nordens, das zum Herbst den Schulbetrieb mit einigen Jahrgangsstufen aufnimmt, auszulagern, kommentierte der Behördenvertreter, dass dies seinen Kompetenzbereich verlasse, die PCB-Werte jedenfalls würden diese Maßnahme nicht rechtfertigen. Laut Elternbeiratsvorsitzendem würde die Elternschaft eine solche Verlagerung mittragen.
Ob die PCB-ausdünstenden Fugen nicht einfach mit einer Schicht darüber abgedichtet werden könnte, wie Martin Obersojer anregte, wusste Gerbet nicht zu sagen, wollte die Frage aber gerne ans zuständige Baureferat weiterleiten. Und Hans Kübler von den Grünen wünschte sich praxisnähere Messreihen, damit das Schulreferat nicht länger den Nachweis der Wirkung ihrer Lüftungs- und Entstaubungsmaßnahmen schuldig bleibe. Die nächste PCB-Messung, die nach langanhaltendem Insistieren der „Grünen“ im BA endlich am Samstag, den 2. Juli mal wieder durchgeführt wurden, sollten dem in der PCB-Richtlinie vorgegebenen Prozedere gehorchen, wonach erst nach zig Stunden geschlossener Fenster gemessen werden darf, erläuterte Gerbet. (Offensichtlich war dies aber nicht der Fall: Der Elternbeiratsvorsitzende fand an besagtem Samstag morgens um 8 Uhr sämtliche Fenster sperrangelweit offen, auf dass er dies gleich per Kamera dokumentierte. Von einer normgerechten Messung kann folglich nicht die Rede sein, die Messergebnisse sind verfälscht. Die Elternschaft durfte übrigens bei der Messung nicht anwesend sein.)
Nach über einer Stunde Diskussion einigte sich das BA-Gremium einstimmig darauf, für eine Verlagerung der Schule zu plädieren und, wenn diese nicht möglich ist, eine Containerlösung zu verlangen – immer vorausgesetzt, dass die PCB-Belastung nicht nachweisbar dauerhaft durch Sofortmaßnahmen abgesenkt werden kann.
P.S. Zum Vorfall eines Mädchens, das an der Tür nach außen in Gang 3 zum Pausengelände einen Stromschlag erlitt, auf dass es ohnmächtig umfiel und nur dadurch überlebte, dass es losließ, hat der Elternbeirat Beschwerde eingereicht bei der Schulleitung, da die Eltern über die Gefahrensituation nicht in Kenntnis gesetzt wurden.
„Märchen“ beim Lesefest an der Grundschule
Am Donnerstag, den 16. Juni fand an der Feldmochinger Grundschule wieder einmal ein vom Förderverein organisiertes Lesefest statt. Heuer standen alle Aktionen unter dem Thema „Märchen“. Und so war an diesem Nachmittag der Schulhof voller wissbegieriger Schulkinder, die an verschiedenen Stationen in die Welt der Märchen eintauchen konnten.
Die Geschichte von der Kakaobohne vermittelte der Eine-Welt-Laden ganz plastisch. Beim Märchen-Lauf-Diktat (Claudia Hauptvogel, Christian Huber) kamen Geschicklichkeit und Lesefähigkeit zur Geltung. Der Hort hatte Märchen-Raten vorbereitet. An wenigen Accessoires konnten die Kinder die jeweiligen Märchen erraten. Raten stand auch im Mittelpunkt des Märchen-Quiz (Angela Kraft, Stefanie Schlammerl). Sich einfach auf der Wolldecke niederlassen und sich ganz der Vorstellungskraft hingeben, das konnte man bei der Vorlesestation (Monika Nitschke, Conny Reverey). Fairy tales stehen hoch im Kurs bei den Kindern und so
konnte Little Red Riding Hood, gelesen von Rektorin Gabriele Bayer-Maier, die kleinen Zuhörer begeistern. Richtig gefordert waren Prinz und Stiefmutter, die Tauben und Aschenputtel beim gleichnamigen Märchen. Zuhören, an der richtigen Stelle den Text sagen und dabei noch Linsen und Erbsen in ein Glas zu sortieren – da war höchste Konzentration von Nöten. Auch die Eltern kamen an diesem Nachmittag auf ihre Kosten: Eine Bücherbörse lockte zum Kauf und Verkauf zugunsten der Schulbibliothek (Solveig Beck). Das Kuchenbuffet, das Eva M. Durka und Birgit Heine-Höhnemann managten, war außerdem reich gefüllt durch die Spenden backender Eltern. Viel blieb davon nicht mehr übrig am Ende eines wunderbaren Festes, das vom Förderverein (Reinhard Jakob) in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat (AK Lesen) und Hort (Maria Hausinger) organisiert worden war.
Kinderbetreuung verzweifelt gesucht
Wie sich die Szenen ähneln: Im November vergangenen Jahres strömten verzweifelte Eltern aus der Lerchenau in Scharen zur öffentlichen Sitzung des Bezirksausschusses im Pfarrsaal von St. Peter und Paul, weil sich bereits zum damaligen Zeitpunkt andeutete, dass viele künftige ABC-Schützen der Lerchenau im Schuljahr 2016/17 keinen Betreuungsplatz am Nachmittag bekommen, wenn nicht rasch gegensteuert wird. Ende Mai nun kamen zahlreiche Feldmochinger Eltern zur BA-Sitzung im Pfarrsaal von Mariä Sieben Schmerzen, weil sie vor dem gleichen Problem stehen: Wohin mit dem Nachwuchs ab Mittag, wenn die Schule aus ist.
Schulanfänger fallen gewöhnlich nicht vom Himmel. Erst gehen sie in den Kindergarten, dann kommen sie in ihre Sprengelgrundschule – es sei denn Eltern können triftige Gründe vorbringen, warum der Nachwuchs eine andere staatliche Grundschule besuchen soll. Und der ein oder andere gibt seinen behüteten Sprössling natürlich auch lieber auf eine private Schule à la Waldorf oder Montessori. In etwa aber lässt sich die Zahl der künftigen Schulkinder vorausberechnen. Und damit der Bedarf an Nachmittagsbetreuung. Denn selbst in Vierteln wie Lerchenau, Fasanerie und Feldmoching sind Frauen ob der hohen Mieten, der gigantischen Immobilienpreise und nicht zuletzt wegen des geänderten Scheidungsrechts gezwungen beziehungsweise möchten nach einem langen Studium weiterarbeiten, trotz der Kinder.
Horte wie Mittagsbetreuung haben kaum freie Plätze
Der Mangel an Mittagsbetreuungs-/Hortplätzen kündigte sich auch in Feldmoching an. Nur waren die Eltern hier – noch – nicht so gut vernetzt wie in
der Lerchenau, so dass der Umfang des Defizits erst mit den reihenweisen Absagen kurz vor den Pfingstferien zutage trat.
Momentan gibt es in Feldmoching drei Möglichkeiten, seine Kinder nach Schulschluss betreuen zu lassen: Die städtische Kooperationseinrichtung an der Josef-Frankl-Str. 17b hat 25 Plätze, wovon laut Recherchen der Eltern heuer sechs neu zu vergeben waren. Rund 30 hatten sich dort via Kitafinder angemeldet – seit 2014 kann man in München seinen Nachwuchs via Internet für mehrere Kindertageseinrichtungen anmelden, ohne bei jeder Einrichtung persönlich vorstellig zu werden.
Der städtische Hort an der Feldmochinger Grundschule hat zwei Gruppen à 25 Kinder, wovon laut Elternrecherche zum neuen Schuljahr aber nur drei Plätze frei werden. Angeblich lagen für die Einrichtung 40 Anmeldungen vor. Und bei der Mittagsbetreuung an der Grundschule, einer 1997 von Eltern gegründeten und geleiteten Elterninitiative auf ehrenamtlicher Basis, mit fünf Gruppen von insgesamt 90 Kindern in drei Räumen (60 Kinder werden bis 15.30 Uhr, 30 bis 14 Uhr betreut) sowie neun Betreuerinnen, gab es heuer 16 Plätze neu zu vergeben. 18 Eltern erhielten am 25. Mai eine endgültige Absage. Insgesamt dürften also rund 20 Eltern ohne Betreuungsplatz dastehen.
Am liebsten wäre den Eltern eine Ganztagesschule
Wie auf die Schnelle dem „Infrastrukturproblem“ begegnen? Die Zeit drängt, der Schulbeginn rückt näher und vor allem müssen Förderanträge etwa für den Aufbau einer weiteren Mittagsbetreuung bis 1. Juli abgegeben werden.
An der Grundschule Waldmeisterstr. wurde, um rasch den verzweifelten Eltern zu helfen, zum einen eine Ganztagesklasse eingerichtet und zum anderen eine weitere Mittagsbetreuungsgruppe geschaffen. In Feldmoching entwickelten gut 20 „hort- und mittagsbetreuungslose“ Eltern am Freitag, den 3. Juni bei einem Treffen verschiedene Lösungsansätze und besprachen das weitere Vorgehen.
Eine rasche Umfrage unter den Anwesenden zeigte: Am liebsten hätten die Eltern eine Ganztagesschule, und die am allerliebsten wie an der Grundschule Eduard-Spranger-Str. gekoppelt mit einem Tagesheim, wo die Kinder in den vielen Ferien betreut werden. (Zwei Feldmochinger Eltern haben ihre Kinder deshalb auch schon umgemeldet ans Hasenbergl Süd.) An die 90 % der Anwesenden fänden dieses pädagogische Konzept am sinnvollsten.
Ansonsten wünschen sie sich mit oberster Priorität einen Hortplatz, gefolgt von einem Mittagsbetreuungsplatz bis 15.30 Uhr (mit warmem Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung). Und eine Mittagsbetreuung bis 14 Uhr wäre für den ein oder anderen immerhin noch ein kleiner Strohhalm.
Schnelle Lösungen sind gefragt
Am einfachsten ließe sich wohl eine weitere Mittagsbetreuungsgruppe
installieren. Hier sind die behördlichen Auflagen und Vorgaben am geringsten. Aber: Bereits im vergangenen Jahr hatte die Mittagsbetreuung ob des eklatanten Betreuungsmangels im Hauruckverfahren mehr als 30 zusätzliche Plätze geschaffen. Nun sind die ehrenamtlich arbeitenden Organisatorinnen mit 90 Kindern und der Lohnabrechnung für neun angestellte Mitarbeiterinnen am Anschlag. Ein weiteres Wachstum sei derzeit nicht verkraftbar, so Nadja Neudorfer von der Mittagsbetreuung. Man müsse sich erst selbst mal finden. Auch sieht sie allmählich ein „großes Missverhältnis“ zwischen städtischer Leistung (Horte: 50 Plätze) und ehrenamtlichem Engagement (Mittagsbetreuung: 90 Plätze) und wünscht sich eine besondere Anstrengung der Stadt München, schließlich sei ein Hort personell besser ausgestattet, denn hier betreuten drei ausgebildete Pädagogen und Erzieher 25 Kinder, während in der Mittagsbetreuung auf engem Raum drei Betreuerinnen mit langjähriger Kindererfahrung (Mamas!) für 30 Kinder zuständig seien.
Sollte es also eine Mittagsbetreuung werden, dann müssten die Eltern der „Neuen“ selbst eine Mittagsbetreuung gründen. Hilfe gibt es dabei von städtischer Seite ausreichend, wie BA-Vorsitzender Markus Auerbach erklärte. Räumlich könnte die Gruppe vielleicht im Dachgeschoss des umgebauten „Neubaus“ untergebracht werden, in einem rund 100 qm großen Raum, der derzeit für Lehrmittel verwendet wird. Laut Rektorin Gabrielle Bayer-Maier müsste dort wohl noch ein Heizkörper aufgestellt werden, aber prinzipiell wäre eine Nutzung möglich. Klassenräume hat sie dagegen nicht mehr frei, „wir sind bis zum Rand voll“.
Mittagsbetreuung oder offene Ganztagesklasse
Die Leitung des städtischen Horts an der Grundschule, so haben die Eltern
eruiert, wäre durchaus nicht abgeneigt, eine weitere Hortgruppe zu eröffnen. Personal sei vorhanden, aber es fehle an Räumlichkeiten und an der Unterstützung von oben. Eventuell könnte hier, so die Idee der Eltern, eine Kooperation mit der Einrichtung der Inneren Mission nebenan (Stichwort: ehemaliger Tengelmann) eine Überbrückungshilfe sein.
Und ein Ganztageszug? Rektorin Bayer-Meier war nach eigenen Angaben sehr interessiert, eine offene Ganztagesklasse einzurichten, sprich Beschulung vormittags, Betreuung nachmittags. Das Problem: Bei einer offenen Ganztagesklasse muss im Gegenzug die Mittagsbetreuung abgeschafft werden, denn hier gibt es nach derzeitiger gesetzlicher Lage nur ein „entweder – oder“. Lediglich bei einer gebundenen Ganztagesschule – hier ist der Unterrichtstag rhythmisiert, sprich Schul- und Übungszeiten wechseln sich mit sportlichen, musischen oder sonstigen künstlerischen Angeboten ab – ist ein Nebeneinander von Mittagsbetreuung und Ganztageszug möglich. Das sehr gut funktionierende System der Mittagsbetreuung aufzugeben für eine offene Ganztagesklasse, die dann erst mal nur den Erstklässlern zugute käme, das will die Rektorin nicht. „Was wäre dann mit den älteren Kindern? Was mit den Arbeitsplätzen?“ Und eine gebundene Ganztagesklasse lässt sich nach Einschätzung der Rektorin logistisch an der Grundschule nicht umsetzen. Es fehlt an Räumlichkeiten und einer Mensa.
Wer vor zehn Jahren, vor dem Umbau und der Sanierung der beiden Schulhäuser, ein Kind in der Feldmochinger Grundschule hatte, wird sich vielleicht noch an die damaligen Diskussionen um das Konzept „Haus des Kindes“ erinnern, das genau das vorsah und das deshalb die Aufstockung der Turnhalle vorschlug. Damals wurden die Ideen als zu teuer und damit mit nicht zuschussfähig abgelehnt. Wahlweise brachte man auch den Ensembleschutz ins Spiel, obwohl gar keine denkmalschutzrechtliche Prüfung vorgenommen wurde. Nun fehlen, nach Jahren des teuren Umbaus, schon wieder Räume.
Betreuungsnotstand erst dann, wenn ein Formular ausgefüllt ist
Ausgelotet werden muss in den nächsten Wochen in Gesprächen zwischen Eltern, Schulleitung, Baureferat und Referat für Bildung und Sport (RBS) also, ob in der Feldmochinger Grundschule noch auf die Schnelle ein Ganztageszug etabliert werden könnte. Das wäre nach Ansicht von BA-Vorsitzendem Auerbach sportlich, aber womöglich noch machbar (Stichwort: Container) und nach Ansicht vieler Eltern die nachhaltigste Lösung. Oder wird’s ein weiterer Hortzweig oder eine neue Mittagsbetreuung?
In jedem Fall müssen die Eltern so schnell wie möglich ein spezielles Formular ausfüllen, auf dass sie im RBS überhaupt als „Betreuungsproblem“ erkannt werden und sich die entsprechenden Stellen in Bewegung setzen. Denn eine Rückmeldung vom Kitafinder erhalten weder die RBS-Fachstellen noch die abgelehnten Eltern. Die werden vom Rechnersystem einfach still und leise in die Warteschleife eingeordnet, ohne über die Ablehnung informiert zu werden.

















