Wer heute über den Walter-Sedlmayr-Platz geht, dem sticht gewiss gleich ein Kranz, angebracht an der hässlichen Mauer, ins Auge: Er stammt von unserem Ministerpräsidenten, sprich ist in seinem Namen dort angebracht worden, denn heute, am 6. Januar 1926 jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag des bekannten Volksschauspielers, Fernsehregisseurs, Autors, Levitenlesers beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg und Werbeträgers von Paulaner-Bier: Walter Sedlmayr.
Feldmoching und der Sedlmayr, das war keine Liebesbeziehung. Der Sedlmayr, obwohl ab den 1970er-Jahren der berühmteste Feldmochinger, bekannt durch Theater, Film, Fernsehen & Werbung und später durch seinen gewaltsamen Tod, wollte als Erwachsener nichts mehr mit Feldmoching zu tun haben und die Feldmochinger nahmen es ihm übel, dass er ihnen nur die kalte Schulter zeigte, zu keinem Klassentreffen kam, kein Dorffest besuchte …
Walter Sedmayrs Vater Richard, der einst an der Agnesstr. einen Tabakwarenladen führte, hatte Mitte der 1930er-Jahre nahe dem Feldmochinger Bahnhof ein Anwesen erworben (heute Josef-Frankl-Str. 8). Warum gerade hier, ist nicht bekannt, verwandtschaftliche Beziehungen nach Feldmoching gab es weder von Vaters noch Mutters Seite – sie war eine geborene Rott. Ab 1932 besuchte der kleine Walter die Feldmochinger Volksschule, wo der dickliche Bub, der offensichtlich seinem mit einer beträchtlichen Leibesfülle ausgestatteten Vater nachgeriet, von den Mitschülern arg gehänselt und oft verprügelt wurde, wie Volker D. Laturell schreibt, der vier Jahre nach ihm die gleiche Lehranstalt besucht hat.
Vor etwa zwei Jahren hat die München-Liste im BA 24 diesen runden Geburtstag zum Anlass genommen, um die Errichtung eines Denkmals mit/ohne (Trink-)Brunnen am Walter-Sedlmayr-Platz zu beantragen. Und wenns kein Denkmal werde, dann wenigstens eine kleine Tafel zur Würdigung seiner Person. Erst seit den tragischen Umständen seines Todes am 14. Juli 1990, als Sedlmayr mit mehreren Messerstichen an Hals und Nieren verletzt und mit einem Hammer erschlagen wurde, kennt man sein Privatleben. Sedlmayr gab sich Zeit seines Lebens als „Vorzeige-Bayer“ mit bürgerlich-konservativem Habitus und verbarg seine Homosexualität. Dieses Verhalten löste seinerzeit eine breite gesellschaftliche Diskussion über Homophobie und Akzeptanz von LGBTQ-Personen aus.
Ein Denkmal für ihn würde dazu beitragen, die Erinnerung an Walter Sedlmayr und sein Werk lebendig zu halten und wäre zugleich ein pädagogisches Instrument, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen, so argumentierte seinerzeit die München-Liste. Passiert ist nichts. Na ja, immerhin hat man sich nun Sedlmayrs runden Geburtstag erinnert.














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