Vermutlich sind Ihnen die kleinen orange-grauen Kästchen, die seit einigen Tagen überall in Feldmoching und Umgebung am Wegesrand liegen, auch schon aufgefallen. Man sieht sie auf dem Rad- und Fußweg östlich der Bahntrasse hinaus nach Oberschleißheim, im anschließenden Wald, am Fasaneriesee sowie in anderen Grünanlagen oder entlang von Straßen. Es handelt sich dabei um sogenannte Geophone. Sie sind Teil von Deutschlands größtem Geothermie-Forschungsprojekt namens „GIGA-M“. So zumindest bewerben die Stadtwerke München (SWM) das gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) vorangetriebene Vorhaben.
Auf einer Fläche von rund 1.100 qkm wird schon seit Monaten im Großraum München – begonnen hat man im Süden – der Untergrund untersucht, um heißes Thermalwasser selbst in mehreren Kilometern Tiefe exakt zu lokalisieren. Dazu werden zunächst in kurzen Abständen Geophone ausgelegt, die als extrem empfindliche „Erdmikrofone“ fungieren.
Diese Kästchen, die für die Messung zwingend einen direkten Bodenkontakt benötigen – sie werden mit einem Erdspieß in den Boden gesteckt oder liegen in flachen Gehäusen beziehungsweise auf Sandsäcken direkt auf dem Asphalt –, stehen nicht unter Strom und zeichnen auch keine Gespräche auf!
Vielmehr fangen sie die Signale auf, die bestimmte geologische Schichten im Untergrund reflektieren, sobald die großen, spezialisierten „Vibro-Trucks“ (Rüttelfahrzeuge) vorbeifahren und über eine absenkbare Platte Schallwellen in den Boden senden. Durch diese rollierenden Messungen, die schrittweise durch die Region wandern, entsteht am Computer allmählich ein dreidimensionales Bild vom Verlauf und der Ausbildung jener Gesteinsformationen, die das Thermalwasser enthalten.
Knapp 20 Mio. Euro für den Blick in die Tiefe
Laut SWM kostet das gesamte Projekt – von den seismischen Untergrunduntersuchungen über die Erstellung des Modells bis hin zur Entwicklung neuer Erschließungsmethoden – knapp 20 Mio. Euro. Etwa 11 Millionen Euro davon steuert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bei.
Ziel der Studie ist es, die Geothermie im Großraum München – dem wichtigsten Baustein für eine klimaneutrale Fernwärme – optimal zu entwickeln und zu koordinieren. Denn alle Geothermie-Anlagen in und um München fördern und entziehen die Wärme aus demselben, zusammenhängenden Thermalwasserreservoir.
Bislang ist für den Münchner Norden nur ein einziger Standort für eine Geothermie-Anlage
festgelegt: Sie soll im Virginia-Depot errichtet werden, gemeinsam mit BMW. Laut SWM soll hier eine der größten Energiezentralen der Stadt mit bis zu 110 Megawatt thermischer Leistung entstehen. Der Autobauer wird die eine Hälfte der so erzeugten Wärme für die CO₂-neutrale Versorgung seines nahegelegenen Stammwerks erhalten; die andere Hälfte geht insbesondere an die riesigen städtischen Entwicklungsgebiete wie Neufreimann.
Bitte lassen Sie die Geophone einfach liegen, wo sie sind. Nach Abschluss der Messungen sammelt das Projektteam die Geräte wieder vollständig ein.





















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