Am Mittwoch, den 15. April billigte der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Münchner Stadtrats mit übergroßer Mehrheit – nur Dirk Höpner von der München-Liste und Brigitte Wolf von den Linken stimmte dagegen – den Bebauungsplan für den Eggarten. Auch sämtliche „Grüne“ im Ausschuss sprachen sich für die Bebauung des in der dicht bebauten Stadt München einzigartigen Naturparadieses aus.
Vor der Sitzung hatten noch einmal Vertreter des Landesbunds für Vogelschutz, des Bunds Naturschutz, ÖDP-Vertreter wie Bürgerinitiativen für den Erhalt dieser Naturoase am Marienplatz demonstriert – es nutzte alles nichts. 1.900 neue Wohnungen zogen mehr als Natur, Klima, Biodiversität …
Zum Eggarten hat uns auch noch folgender Leserbrief erreicht.
„Zuallererst möchte ich sagen, dass ich ziemlich weit weg vom Eggarten in Bogenhausen wohne und den Eggarten erst gesehen habe, als eine Feldmochinger Freundin mich dort herumführte. Dies, weil einem im Zusammenhang mit Kritik an irgendwelchen Projekten gerne eine NIMBY-Haltung unterstellt wird. Nein, ich lehne diese wie auch diverse andere Bauprojekte in Ecken von München, wo ich praktisch nie hinkomme, aus Prinzip ab.
Für das Bauprojekt wird damit geworben, dass es angeblich so schön grün würde. Wie das? 100 Jahre lang eingewachsene Gärten werden aufgewühlt, Bodenleben, dort lebende Tiere verjagt, und dann wird neues Grün gepflanzt als magerer Ausgleich. Ich glaube nicht, dass die Neupflanzungen auch nur ansatzweise an die Biodiversität des alten Eggartens herankommen. Und dann erwartet man, dass die vertriebenen Eidechsen, Käuze etc. wie durch ein Wunder plötzlich wieder da sind?
Auch auf den Klima-Aspekt möchte ich hinweisen. Das dürfte doch inzwischen bekannt sein, der Klimanotstand ist festgestellt worden. Warum zieht man daraus nicht die naheliegende Konsequenz, in dieser Stadt nicht mehr neu zu bauen und stattdessen jeden einzelnen vorhandenen Baum, jede Wiese zu schützen als das kostbare Tafelsilber, das sie sind?
Der Wohnungsmangel wird immer aufs Tapet gebracht. Angeblich brauchen wir Wohnungsbau, um die Wohnungsnot zu lösen. Aber wie soll das gehen, wenn immer mehr Menschen nach München zuziehen? Beim Verkehr ist der Zusammenhang bereits zweifelsfrei erwiesen, dass man mit dem Bau von neuen und breiteren Straßen keine Staus beseitigt (oder nur für kurze Zeit…), sondern vielmehr noch mehr Verkehr anzieht. Und genauso geht es mit den Wohnungen. Warum tut die Stadt nichts dagegen, dass immer mehr Arbeitsplätze in München entstehen? Und dann auch keine gesunde Mischung mit Handwerksbetrieben u. ä. Letztere werden durch die Gentrifizierung immer mehr rausgedrängt. Was nach München kommt, sind immer mehr IT-Unternehmen mit gutverdienenden Mitarbeitern, die den Wohnungsmarkt anheizen. Warum tut die Stadt nichts dagegen? Warum wirbt man noch für Messen in München? Warum zieht man Groß-Events (Adele, Taylor Swift, American Football etc.) her? Warum müssen unsere großen Universitäten immer noch größer werden und immer neue Rekordzahlen von Studenten nach München locken? Ich halte das für ein ungesundes Wuchern auf Kosten von Provinzstädten, wo jede Menge Wohnraum leer steht. Nicht die Wohnungen sind am falschen Platz, sondern die Menschen!
Diejenigen Ausschussmitglieder unter Ihnen, die zu konservativen Parteien gehören, möchte ich daran erinnern, dass konservativ „bewahrend“ heißt. Bitte helfen Sie, Gutes und Schönes zu bewahren für zukünftige Generationen, und opfern Sie einen einzigartigen gewachsenen Lebensraum nicht für die Wohnungen, die ein bekannter Investor hinstellen möchte, und die spätestens übermorgen ohnehin schon wieder zu wenig sind. Das wäre nachhaltig im konservativen Sinne.
Die Mitglieder der Grünen möchte ich an die Entstehungsgeschichte ihrer Partei und an die Herkunft des Namens erinnern. War da nicht mal was mit Natur, Umwelt und so? Ich finde bei Ihnen beklagenswerte neoliberale und grünwaschende Tendenzen. Wachstumskritik ist wohl nicht populär. Also versucht man, stetig zuströmende Massen von Menschen immer höher zu stapeln und das Umfeld etwas grün zu verbrämen. Sie übersehen dabei, dass es nicht damit getan ist, den vielen Menschen Platz zum Schlafen zu schaffen. Die wollen und müssen auch hinaus, gerade Kinder bräuchten mehr als einen Designerspielplatz, sondern einfach g’schlamperte unverplante Plätze, um Abenteuer zu erleben und Natur kennenzulernen. Erwachsene üben mit ihren Freizeitaktivitäten zunehmenden Druck aus auf die vorhandenen Grünanlagen. Schauen Sie nur in den Englischen Garten und an die Isar. Und was haben die Menschen davon, im begehrten München zu wohnen, wenn sie es im Sommer vor Hitze weder drinnen noch draußen aushalten? Fragen Sie sich ehrlich, wie das Wachstum vereinbar sein soll mit Klimaschutz, Biodiversität und Lebensqualität. Das wäre nachhaltig im grün-alternativen Sinne.
Bitte entscheiden Sie FÜR die Erhaltung des Eggartens. Wenn Sie Zweifel haben, so stimmen Sie wenigstens für eine Vertagung des Themas, lassen Sie sich nicht von dem Gedanken verleiten, die Planungen seien zu weit fortgeschritten, um noch etwas zu ändern. Man hält eine Sache entweder für richtig oder für falsch, Punkt. Wenn letzteres, dann würde man das Falsche doch auch nicht aufgrund von „Sachzwängen“ durchgehen lassen, oder wegen vermeintlich „vollendeter Tatsachen“ ein. Denken wir an den Fall Uhrmacherhäusl! Im Falle des Eggartens bestehen die vollendeten Tatsachen in den zum Teil bereits abgerissenen Häuschen.
Aber es ist immer noch so viel kostbare Natur da. Bewahren Sie sie! Geben Sie dem Eggarten eine faire Chance!





















Friedhelm M. meint
Dazu passt ein Beitrag in der BILD-Zeitung:
https://www.bild.de/politik/meinung-kommentare-kolumnen/muenchen-95-000-euro-pro-baum-ich-fasse-es-nicht-kommentar-69df9c88a01fd07f05dc609a
Echt krass.
Irene Gronegger meint
Dirk Höpner hat die Grünen gestern auch direkt angesprochen, einer hat darauf (auf für mich überraschende Weise) geantwortet:
https://biotop-eggarten.de/sitzung-des-planungsausschusses-ueber-das-bauvorhaben-im-eggarten/
(Gestern waren einige von der ÖDP-Basis da, auf der Website war aber kein Aufruf. Der BN war wohl auch ein Überraschungsgast.)