Psychische Gesundheit kennt kein Schwarz und Weiß, kein einfaches „krank oder gesund“, keine klare Grenze zwischen Depression und Nicht-Depression. Das Leben bietet so viele Zwischentöne wie eine Farbpalette Farben und zeichnet dabei die Erfahrungen, Bedürfnisse und Lebenssituationen betroffener Personen und ihrer Angehöriger ganz unterschiedlich. Ganz individuelle Erfahrungen und Gedanken in der Auseinandersetzung mit dem Schwerpunktthema „Depression“ zeigt noch bis 28. November die Ausstellung „Depression – Antidepression – hell – dunkel“ der Olchinger Künstler, die aktuell in den Räumlichkeiten der Stiftung „zusammen.tun“ am Stanigplatz 10 zu sehen ist.
Ein weiterer Ausstellungsraum mit Werken betroffener Klienten der sozialpsychiatrischen Dienste eröffnet nun zusätzlich in der Schleißheimer Straße 450 a. Dort sind nicht nur die Werke zu besichtigen, die Vertreter der geronto- und sozialpsychiatrischen Dienste sowie des Betreuten Einzelwohnens stehen dort für ein unverbindliches Gespräch und Fragen zur Verfügung.
Kreativität als Teil psychischer Gesundheit
Psychische Gesundheit braucht Pflege – Self-Care. „Der Begriff klingt zunächst nach Wellness,
einem warmen Bad oder einem freien Nachmittag. Self-Care ist jedoch viel mehr: Wie geht es mir gerade? Wo liegen meine Grenzen? Was gibt mir Kraft? Und brauche ich Unterstützung?“, erklärt Andrea Gindl. Die Psychologin berät und begleitet im Sozialpsychiatrischen Dienst München Nord von psychischen Problemen belastetet Menschen im Münchner Norden und deren Angehörige. Sie fordert einen offenen Umgang mit dem Thema Psychische Erkrankung. Dazu gehöre auch, achtsam mit sich selbst umzugehen, egal, ob man selbst oder als angehörige Person betroffen ist.
„Psychische Gesundheit bedeutet nicht die Abwesenheit von Sturm. Psychische Gesundheit
bedeutet auch zu wissen, wo ich Schutz finde, wenn der Sturm kommt Self-Care heißt: nicht erst dann für sich zu sorgen, wenn etwas zerbricht – sondern jeden Tag ein kleines bisschen.“ Manchmal sei die fürsorglichste Entscheidung, die man für sich selbst treffen könne, zu sagen: „Ich schaffe das gerade nicht alleine.“ Genau an diesem Punkt könne der Sozialpsychiatrische Dienst eine wichtige Rolle übernehmen.
Auch kreative Tätigkeiten können dabei einen wichtigen Beitrag leisten, wie die
Weltgesundheitsorganisation in einer Übersichtsarbeit aus rund 900 Studien zusammenfasste,
dass kreative Beschäftigungen die psychische und körperliche Gesundheit positiv beeinflussen können. Wie wertvoll das gemeinsame kreative Arbeiten für das Wohlbefinden und die soziale Teilhabe sein kann, erleben die Teilnehmer in den Kreativgruppen der Sozialpsychiatrischen Dienste jede Woche neu.
Seit mehr als fünf Jahren treffen sich Klientinnen und Klienten des Betreuten Einzelwohnens für psychisch erkrankte Menschen bis 60 Jahre und ab 60 Jahre einmal im Monat zu einer gemeinsamen Kreativgruppe. Geleitet wird die Gruppe von Nancy Reek. In den Räumlichkeiten der Gruppe entstehen unter anderem Bilder in Pouring-, Aquarell- und Spritztechniken, Schmuckstücke, Papierperlen und Upcycling-Arbeiten. Auch Specksteinbearbeitung und das Ausmalen von Mandalas gehören zum Angebot. Dabei sind die Teilnehmer eingeladen, eigene Ideen einzubringen und Projekte selbst anzuleiten. Der kreative Prozess bietet Raum für Konzentration, Entspannung und Austausch. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten, dass sie während des Gestaltens ganz bei sich sind. Das sichtbare Ergebnis stärkt das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, und kann Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit fördern.





















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