Er gilt als einer der Klassiker der Stummfilmzeit, als Meisterwerk des deutschen Expressionismus und erste echte Vampir-Verfilmung: „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“. 1922 drehte der deutsche Regisseur F. W. Murnau den bis heute legendären Stummfilm. Dieses außergewöhnliche, schaurige Meisterwerk serviert Kirchenmusiker Carl Seebode, inzwischen hauptsächlich in Laim tätig, an zwei Abenden auch dem 24. Stadtbezirk mit Live-Orgelmusik und passender Halloween-Grusel-Atmosphäre. Eineinhalbstunden Kinospaß für die ganze Familie.
Bereits zum 15. Mal fanden heuer in Berlin die UFA-Filmnächte statt. An drei Abenden wurden dabei drei Klassiker der Stummfilmzeit mit Live-Musikbegleitung gezeigt. Wir im Münchner Norden brauchen nicht so weit zu fahren, um in einen solch außergewöhnlichen Kunstgenuss zu kommen. Kirchenmusiker Carl Seebode hat nach der „Austernprinzessin“ im vergangenen Jahr erneut mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung verhandelt und mit „Nosferatu“ nun einen wahren Hit der Filmgeschichte an Land gezogen.
Vampir Graf Orlok, ein ruheloser Untoter, bringt Grauen und Verderben über die Stadt Wisborg, nachdem er sein verspuktes Schloss in den Karpaten, versteckt in einem Sarg, verlassen hat. Sein Ziel: die Liebe der schönen Ellen. Passend zur düsteren Stimmung rund um Halloween erweckt der Organist diesen Filmklassiker mit schaurigen Tönen zum Leben am 25. Oktober ab 20 Uhr in St. Peter und Paul und am 30. Oktober ab 19.30 Uhr in St. Johannes Evangelist.
Aufwendige Rettung eines verlorenen Meisterwerks
Obwohl „Nosferatu“ aufgrund seines Alters eigentlich gemeinfrei sein sollte, musste Seebode der Murnau-Stiftung eine Aufführungsgebühr bezahlen. Die Kosten fallen in diesem Fall nicht für den historischen Film an, sondern für die restaurierte Fassung. Die Stiftung musste wirklich viel Arbeit in das alte Filmmaterial stecken, da vom Originalfilm kein unversehrtes Originalnegativ mehr existiert. Der Film sollte nach einem verlorenen Rechtsstreit nämlich komplett vernichtet werden.
Hintergrund: Florence Stoker, die Witwe des 1912 verstorbenen Autors Bram Stoker und Verwalterin seines Nachlasses, hatte die Filmrechte verweigert. Darauf nahmen Regisseur F. W. Murnau und die Drehbuchautoren oberflächliche Namens- und Ortsänderungen vor: Aus Graf Dracula wurde Graf Orlok und das Ganze spielt nicht mehr in London, sondern in Wisborg. Half trotzdem nichts. Die Produktionsfirma verlor den Rechtsstreit und ging in Insolvenz. Das Gericht hatte die Vernichtung aller Negative und sämtlicher Kopien des Films angeordnet, allerdings waren zu diesem Zeitpunkt schon einige Kopien ins Ausland verkauft worden. Darauf hatten die deutschen Behörden keinen Zugriff. Außerdem versteckten wohl manche Sammler und Filmenthusiasten ganz bewusst die Kopien, die damit die Verbotsphase im Untergrund überdauerten. Erst Jahrzehnte nach dem Tod von Florence Stoker und dem regulären Ablauf der Schutzfrist des Romans konnte die Stiftung den Film vollständig rekonstruieren und restaurieren. In jahrelanger, extrem teurer Detailarbeit trug man weltweit Fragmente aus verschiedenen Archiven zusammen. 2005/2006 wurde der Film dann aufwendig fotochemisch restauriert und anschließend digitalisiert, wobei Kratzer und Bildfehler entfernt wurden. Auch die originalen Zwischentitel wurden grafisch wiederhergestellt.
Live-Improvisation an der Kirchenorgel
Das Filmmeisterwerk hat wie seine untote Hauptfigur also einige Zeit geschlummert. Carl Seebode wird bei den Konzerten die Original-Filmmusik nicht einfach an der Orgel abspielen, sondern einen eigenen Soundtrack improvisieren. Keine simple Sache: Nicht nur gilt es, die eineinhalbstündige Spieldauer des Film konzentriert zu bleiben. Der Organist muss auch auswendig wissen, wann Szenenschnitte oder plötzliche Ereignisse folgen, damit er den Tonfall der Musik dem Leinwandgeschehen anpassen kann. Als Organist freut er sich schon besonders darauf, die gruseligen Facetten seines Instruments zum Einsatz zu bringen: „Die Orgel wird ja in vielen unheimlichen Soundtracks eingesetzt, sei es bei ‚Fluch der Karibik‘ oder dem ‚Glöckner von Notre Dame‘. Ich bin gespannt, wie sich diese Tradition mit ‚Nosferatu’ fortsetzen lässt.“
Der Eintritt zu beiden Konzerten ist frei, allerdings wird zur Deckung der Unkosten um eine kleine Spende gebeten.





















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