Seit kurz nach der Wiesn nahe der Theresienwiese ein Nest der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) gefunden wurde, sind Münchens Imker in Alarmbereitschaft. Kürzlich wurden die aus Asien eingeschleppten Insekten, die die gesamte heimische Bienenwirtschaft bedrohen an der Trollblumenstr. gesichtet. An Allerheiligen gelang Imkern im Münchner Norden ein entscheidender Schlag: Ausgestattet mit neuester Technik spürten sie in einer konzertierten Aktion gleich zwei Nester auf – eines an der Trollblumenstr. und ein weiteres beim Wertstoffhof Rothschwaige nahe dem Karlsfelder See. Nun liegt es an spezialisierten Schädlingsbekämpfern, die invasive Art zu beseitigen.
Die Asiatische Hornisse wurde 2004 erstmals im Südwesten Frankreichs nahe Bordeaux entdeckt. Experten gehen davon aus, dass eine einzige, befruchtete Königin unbemerkt in einer Schiffsladung Töpferware aus China eingeschleppt wurde. Während die Bestände in ihrem Ursprungsland durch natürliche Feinde in Schach gehalten werden, hat die Hornisse in Europa freie Bahn. Im Norden Spaniens, insbesondere in Galicien, gefährdet sie mittlerweile die gesamte Bienenwirtschaft und damit das Ökosystem. Auf ihrem Speiseplan stehen Honigbienen ganz oben. Und selbst wenn die heimischen Bienen nicht vernascht werden, droht dem Volk der Hungertod: Aus Angst vor den Jägern draußen verlassen die Sammlerinnen den Stock nicht mehr und stellen die Pollensuche ein. Denn die Asiatische Hornisse besitzt herausragende Flugeigenschaften – sie kann sogar rückwärts fliegen und Loopings schlagen – und ist der Biene weit überlegen.
In Italien, Portugal, Spanien und Frankreich fallen Schwärme von Asiatischen Hornissen auch über die reifen Weintrauben her und vernichten ohne Gegenmaßnahmen bis zu 75 % einer Ernte. Auch für die Arbeiter bei der manuellen Traubenlese besteht Gefahr, da die Hornissen ihre Futterquellen äußerst aggressiv verteidigen. Spanien hat die Art daher als prioritär invasiv eingestuft und staatliche Prämien für das Aufspüren und Zerstören der Nester ausgesetzt. Der Imkerbund warnt bereits vor künftigen Schäden auch an Birnen, Äpfeln, Feigen, Heidelbeeren, Brombeeren etc.
Gezielte Jagd per App und Peilsender
Münchens Imker waren vorgewarnt; es war lediglich eine Frage der Zeit, bis die ersten Nester im Stadtgebiet auftauchen würden. Seit Wochen hatten Betroffene aus der Region die Flugbewegungen der Hornissen mithilfe der App Vespafinder beobachtet, um den Radius um die versteckte Königin einzugrenzen. Am 1. November folgte der Durchbruch: Mittels Telemetrie wurden zwei Nester lokalisiert – eines gut geschützt zwischen zwei Hauswänden an der Trollblumenstr., das andere, ein Riesenexemplar mit rund einem halben Meter Durchmesser, in den luftigen Wipfeln eines Baumes zwischen Karlsfeld und Dachau. (Wenn Sie das Nest auf dem Bild nicht erkennen: Es ist relativ mittig und relativ weit oben im Bild!)
Die genutzte Software wurde eigens für das Aufspüren und Kartieren der Vespa velutina entwickelt. Das Prinzip: Die Imker locken die Tiere zunächst mit Ködern aus Zuckerwasser und Himbeersaft an. Ein paar der angelockten Hornissen werden dann mittels Klammer kurz fixiert, nummeriert und wieder freigelassen. Über die Flugdauer, die Himmelsrichtung und die Signalstärke berechnet die App des Herstellers Robor Electronics den wahrscheinlichsten Standort des Nestes. Den letzten Schritt übernahm der Imkerverband München mit einem von drei in Bayern verfügbaren „Asian Hornet Detection Kits“. Bei diesem Outdoor-Koffer werden den Hornissen winzige Peilsender (Stückpreis ca. 150 €) angeheftet. Dank dieser Signale konnte die Taskforce die Nester nach einer mehrstündigen Suche punktgenau orten.
Fazit: Bitte halten Sie in nächster Zeit bei Spaziergängen die Augen offen. Gerade wenn die Bäume im Herbst ihr Laub verlieren, werden die Nester in den Baumkronen gut sichtbar. Funde können Sie direkt im Internet unter https://beewarned.de melden.
Die Asiatische Hornisse lässt sich leicht von der geschützten heimischen Hornisse unterscheiden. Sie ist etwas kleiner, fast komplett schwarz mit einem orangen Band am Hinterleib und hat – als sicherstes Erkennungsmerkmal – leuchtend gelbe Spitzen an den Beinen (auf dem Foto unten).














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